Wo das Wasser fehlt, schwindet der Lebensraum

von Teresa Binotto

Leere Bachbetten und ein breiteres Seeufer – die anhaltende Trockenheit hinterlässt deutliche Spuren am Greifensee und an seinen Zu- und Abflüssen. Neben offensichtlichen Auswirkungen im Landschaftsbild hat sie teilweise auch drastische Folgen für Wasserlebewesen wie Fische: Ihr Lebensraum verändert sich oder verschwindet komplett. Erfahre, welche Herausforderungen die aktuelle Situation für die Tiere mit sich bringt und wie du zusätzliche Belastungen vermeiden kannst.

Im Juli fiel der Pegel des Greifensees mit 434.69 m. ü. M. unter den bisherigen Tiefstand von 434.71 m. ü. M., der 2018 gemessen wurde. Bis heute, 12. August 2026, ist der Pegel weiter gesunken und beträgt nun 434.59 m. ü. M. (Quelle: Kanton Zürich). Damit liegt der derzeitige Pegel rund 45 Zentimeter unter dem normalen Jahresschnitt. Die Uferlinie hat sich sichtbar verschoben und Boden, der sonst von Wasser bedeckt ist, liegt frei, die Wasserpflanzen sind vielerorts vertrocknet. Noch deutlicher zeigt sich die Situation in den kleineren Bächen: Einige führen nur noch wenig Wasser oder sind bereits, wie der Dorfbach in Maur, abschnittweise oder vollständig ausgetrocknet. Zum geringen Wasserstand kommt hinzu, dass die Wassertemperatur des Greifensees momentan bei über 26,0 Grad Celsius liegt. Die genauen Mess- und Modellwerte für die verschiedenen Seebereiche zeigt das Alplakes Monitoring für den Greifensee. Das warme Wasser aus dem See bedroht vor allem die Arten, die in den Gewässern leben, in die es fliesst – etwa die Bachforelle in der Glatt.

Die anhaltenden hohen Temperaturen stellen für sie und andere kälteliebende Arten eine grosse Belastung dar: Ist weniger Wasser vorhanden, erwärmt es sich schneller und enthält weniger Sauerstoff. Dies führt zu einer Art Teufelskreis: Aufgrund des begrenzten Sauerstoffangebots müssen Fische sich mehr bewegen, um genügend atmen zu können, wodurch ihr Sauerstoffbedarf wiederum steigt. Gleichzeitig schrumpft der verfügbare Raum und die Konkurrenz um Nahrung und kühle Rückzugsorte nimmt zu. Besonders prekär wird es, wenn Gewässer komplett austrocknen oder aufgrund von wasserfreien Abschnitten die Verbindung zu tieferen Bereichen unpassierbar wird. Schaffen es die Fische – und andere Lebewesen – nicht rechtzeitig in tiefere Wasserzonen, kann es zu einem Fischsterben kommen.

Bachlebewesen, denen das Abwandern in verbleibende, kühlere Abschnitte gelingt, werden dort mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Da sie sich in diesen Kälteinseln konzentrieren, können sie gezielt von Raubfischen gejagt werden. Wandern sie in den See ab, leiden sie unter den höheren Temperaturen dort. Während Egli und Alet dies in der Regel aushalten, bedeutet die Hitze für kälteliebende Arten wie Forellen oder Elritzen zusätzlichen Stress.

Wie stark die Tiere unter den Bedingungen leiden, hängt auch davon ab, welche weiteren Stressfaktoren vorhanden sind. Du kannst aktiv dazu beitragen, diese möglichst gering zu halten:

  • Wähle zum Baden grössere Gewässer statt kleinerer Bäche und gönne auch deinem Hund nur dort eine Abkühlung.
  • Halte mindestens 25 Meter Abstand zu Schilf- und Schwimmblattbeständen. Sie dienen vielen Arten, auch Fischen, als Rückzugsort.
  • Respektiere die Seeschutzzonen und schwimme oder fahre ausschliesslich ausserhalb dieser Bereiche. Sie sind mit gelben Bojen gekennzeichnet und bieten Wasserlebewesen störungsfreien Raum.
  • Nutze für das Einwassern und Anlanden ausschliesslich die offiziellen Stellen.
  • Halte dich an die geltenden Fischereiregeln.

Um Lebensräume für Libellen, Amphibien, Watvögel sowie für spezialisierte Ufer- und Wasserpflanzen aufzuwerten und zu sichern, wird die Greifensee-Stiftung ab Herbst 2026 auf dem Areal der Naturstation Silberweide mehrere strukturreiche, offene Flachwasserzonen ausbaggern und anlegen. Wir freuen uns über deine Unterstützung für dieses Projekt!

 

Titelfoto: Der Rohrbach führt bei seiner Mündung in den Greifensee bei der Fällander Badebucht kaum mehr Wasser

Foto unten: Der ausgetrocknete Dorfbach von Maur vom Murmer-Seeweg aus betrachtet.

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