Seerosen im Jätkübel nach einer Abkühlung im Greifensee
von Teresa Binotto
Umgeben von gelben Seerosen steigen vier junge Männer in den See. Was nach idyllischem Badevergnügen klingt, ist ein Zivildiensteinsatz: Zusammen mit dem Gruppenleiter vom Verein Konkret jäten drei Zivildienstleistende Seerosen in der Gemeinde Greifensee und tragen damit zur Pflege des Greifensee-Gebiets bei.
Der Verein Konkret leistet seit 20 Jahren gemeinnützige Arbeiten im Naturschutz im Zürcher Oberland und führt seine Einsätze mit Zivildienstleistenden aus. Seine Ziele sind die Landschaftspflege, die Förderung der Artenvielfalt, die ökologische Aufwertung des Siedlungsraumes sowie die Sensibilisierung der Bevölkerung für Umwelt- und Naturschutzanliegen. Im Auftrag von Kanton, Gemeinden und Non-Profit-Organisationen pflegt der Verein unter anderem Naturschutzgebiete und bekämpft Pflanzen mit Schadpotenzial. Auch die Greifensee-Stiftung und der Verein Konkret arbeiten immer wieder zusammen. In der Naturstation Silberweide hat der Verein in der Vergangenheit beispielsweise Unterhaltsarbeiten ausgeführt und 2025 wurden gemeinschaftlich bei einem von der Stiftung organisierten öffentlichen Arbeitseinsatz mit Freiwilligen Schwertlilien im Weidried bei Schwerzenbach wieder eingepflanzt, nachdem sie der Verein Konkret ausgegraben und während der Revitalisierung des Areals zwischengelagert hatte. Im Auftrag der kantonalen Fachstelle Naturschutz übernimmt der Verein regelmässig Arbeiten rund um den Greifensee und pflegt die Naturschutzgebiete.
Mitte August war der Verein Konkret mit einer vierköpfigen Gruppe in der Gemeinde Greifensee tatkräftig im Einsatz und hat südlich des Garnhänkistegs Seerosen gejätet. Während die weiss blühenden Wasserpflanzen einheimische Arten sind, werden die Seerosen mit den gelben Blüten mitsamt ihren Rhizomen aus dem Seeboden entfernt, da es sich um die mexikanische Seerose, also eine gebietsfremde Art, handelt. Sie wurde in den 80er-Jahren von Privatpersonen im Greifensee ausgesetzt. Da beim jährlichen Jäten jeweils nur ein Teil der Rhizome gefunden wird, werden die Arbeiten wohl noch über mehrere Vegetationsperioden hinweg nötig sein. Gebietsfremde Arten werden in Naturschutzgebieten bekämpft, auch wenn sie, wie die mexikanische Seerose, nicht invasiv sind, denn sie reduzieren das Sauerstoff-, Platz- und Nährstoffangebot für die einheimischen Arten und können diese verdrängen. Die regelmässige Bekämpfung bindet Ressourcen, die anderweitig dringend gebraucht werden, beispielsweise zur Aufwertung von Lebensräumen. Umso wichtiger ist es, gebietsfremde Pflanzen und Tiere ausschliesslich im kontrollierten Haus- und Gartenbereich zu belassen – das Freisetzen von gebietsfremden Lebewesen ist illegal.
Für die Zivildienstleistenden des Vereins Konkret ist das Seerosen-Jäten im Sommer jedoch eine willkommene Arbeit, wie Gruppenleiter Pascal Käslin meint. Sie können als Arbeitskleidung zwischen Fischer- und Badehose wählen und während des rund zwei-stündigen Einsatzes steigen einige auf letztere um. Der Bestand der mexikanischen Seerose in der Garnhänkibucht ist zurzeit überschaubar, doch ein paar Exemplare haben es in sich: Die Rhizome sind teilweise unter Steinen versteckt und müssen zunächst freigelegt werden. Am Ende des Einsatzes wird das Jätgut – ein Haufen aus roten und weissen Rhizomen mit gelben Blüten und Knospen – in Jätkübeln auf die Ladefläche des Verein-Anhängers getragen und zur nächsten Entsorgungsstelle abtransportiert. Auch wenn es wohl nicht der letzte Einsatz dieser Art gewesen sein dürfte, hat der Verein Konkret mit seinen Zivildienstleistenden erneut einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, dass die einheimischen Pflanzen im Greifensee ihren Lebensraum behalten.
