Der Meister der Täuschung ist zurück

von Andrea Fosco

Kuckuck, Kuckuck, rufts aus dem Riet. Ein untrügliches Zeichen, dass der Frühling in vollem Gange ist. Pünktlich ab Anfang April kehren die Kuckucke aus ihren Überwinterungsgebieten in Afrika zurück – auch am Greifensee sind ihre unverwechselbaren Rufe wieder zu hören. Nun beginnt ein ausgeklügeltes Täuschungsmanöver ihrer Wirtsvögel. Wie die Kuckucke es schaffen, den Singvögeln ihre Eier unterzujubeln, erfährst du in unserem aktuellen Blog.

Hochangepasste Täuschung
Kaum sind die Kuckuck-Männchen aus ihren Winterquartieren südlich des Äquators zurückgekehrt, besetzen und markieren sie ihr Revier mit ihrem charakteristischen und weithin hörbaren Ruf und locken damit die Weibchen an. Auch diese sind bereits eifrig mit der anstehenden Eiablage beschäftigt: Sie spionieren mögliche Wirtsnester aus. Als einziger Brutvogel in Mitteleuropa legt der Kuckuck seine Eier in fremde Nester und lässt seinen Nachwuchs von kleinen Singvögeln aufziehen. In der Schweiz sind über 30 verschiedene Wirtsvögel nachgewiesen, wobei Kuckuck-Weibchen ihre Eier gemäss der Vogelwarte Sempach am häufigsten in Nester von Bachstelze, Berg- und Baumpieper, Hausrotschwanz, Teichrohrsänger und Grauschnäpper legen. Ein Kuckuck-Weibchen spezialisiert sich lebenslang nur auf eine einzige Wirtsart und passt seine Eier sogar in Farbe, Form und Musterung jenen der Zieheltern an.

Eiablage ins unbewachte Nest
Die Herausforderung liegt nun darin, dass die Eier unbemerkt in das Nest des Wirtsvogel gelangen müssen. Schöpft der kleine Singvogel den leisesten Verdacht, ist das Vorhaben gescheitert. Das Nest würde sofort aufgegeben und damit hätte auch der Kuckuck-Nachwuchs keine Chance. Tagelang harrt das Weibchen aus, um das potenzielle Nest zu beobachten. Viel Scharfsinn, Geduld und ein gutes Timing ist für die Eiablage nötig. Verlässt der kleine Singvogel nur kurz das Nest und lässt es aus den Augen, nutzt das Kuckuck-Weibchen die Gelegenheit, fliegt schnell zum Nest, entfernt ein Ei und legt stattdessen sein eigenes Ei hinein. Die Wirtseltern ziehen fortan unbemerkt ein fremdes Küken auf. Bis zu 25 Eier werden vom Kuckuck-Weibchen auf diese Art und Weise fremdplatziert.

Gefährdung des Frühlingsboten
Seit den 1980er Jahren nimmt der Kuckuck-Bestand in der Schweiz stetig ab. Der Kuckuck benötigt sehr vielfältige und naturnahe Landschaften mit zahlreichen Kleinstrukturen, die ein reiches Vorkommen seiner Hauptnahrung – unter anderem haarige Schmetterlingsraupen, die von anderen Vögeln gemieden werden – bieten sowie eine stabile Population seiner Wirtsvögel beherbergen. Solche Lebensräume findet er in der Schweiz gemäss Brutvogelatlas in den tieferen Lagen noch entlang der markantesten Flussläufe und in Feuchtgebieten. In Wäldern und im Kulturland ist er zunehmend selten anzutreffen und kommt in weiten Teilen des Mittellandes und des zentralen und östlichen Juras nur noch punktuell vor. Eine weitere Herausforderung besteht darin, dass viele Wirtsvögel in milden Frühjahren bereits mit der Brut beginnen, noch bevor der Kuckuck aus seinem Winterquartier zurückgekehrt ist.

Rückzugsort im Greifensee-Gebiet
Am Greifensee ist der Kuckuck dank der Naturschutzzonen noch ein regelmässiger Gast. Ein gutes Zeichen, denn seine Anwesenheit ist ein Hinweis auf ein gut funktionierendes Ökosystem mit vielen Insekten, Vogelarten und intakten Lebensräumen.

Wir wünschen dir diesen Frühling viele schöne Kuckuck-Begegnungen! Bis im Juli/August sind die Vögel noch im Gebiet, dann reisen sie wieder zurück in ihr Winterquartier.

 

Veranstaltungshinweis
Am 9. Mai bietet sich die Gelegenheit, an verschiedenen, gleichzeitig stattfindenden Vogelexkursionen im Greifensee-Gebiet mit der Greifensee-Stiftung und den regionalen Naturschutzvereinen auf Beobachtungstour zu gehen und mit etwas Glück auch den Kuckuck zu Gesicht zu bekommen. Mehr Informationen findest du hier.

 

Foto: fotofredi

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