Bibermonitoring im Kanton Zürich: stabile Bestände am Greifensee
von Viviane Magistra
Der Biber ist im Kanton Zürich wieder fest etabliert. Die aktuelle Bestandserhebung aus dem Winter 2025, an der auch Mitarbeitende der Greifensee-Stiftung beteiligt waren, zeigt deutlich: Der Bestand hat einen neuen Höchststand erreicht. Auch rund um den Greifensee gehört der Biber heute wieder selbstverständlich zur Gewässerlandschaft. Die Ergebnisse des Monitorings geben Einblick in das Vorgehen, die kantonale Entwicklung und die Situation am Greifensee.
Systematische Spurensuche entlang der Gewässer
Da Biber nachtaktiv und sehr scheu sind, basiert das kantonale Monitoring nicht auf Direktbeobachtungen, sondern auf einer systematischen Kartierung von Biberspuren. Zwischen Dezember 2024 und April 2025 waren im ganzen Kanton 74 geschulte Freiwillige, unter anderem einige Mitarbeitende der Greifensee-Stiftung, im Einsatz. Sie suchten entlang von Bächen, Flüssen und Seen nach frischen Spuren wie angenagten Bäumen, Dämmen, Bauten oder Trittsiegeln.
Insgesamt wurden über 900 Kilometer Uferstrecke begangen. Anhand der Spuren lässt sich erkennen, wo sich ein Biberrevier befindet und ob es von einem einzelnen Tier, einem Paar oder einer Familie genutzt wird. Auf dieser Grundlage wird der Bestand hochgerechnet.
Deutliches Wachstum auf Kantonsebene
Die Ergebnisse zeigen einen klaren Zuwachs: Im Winter 2024/25 wurden im Kanton Zürich 165 Biberreviere erfasst. Daraus ergibt sich ein geschätzter Bestand von rund 521 Bibern. Gegenüber der letzten Erhebung im Jahr 2022 ist der Bestand um 32 Reviere und rund 80 Tiere angewachsen.
Das Wachstum konzentriert sich vor allem auf den südlichen Kantonsteil. Rund um den Pfäffiker- und den Greifensee sowie entlang von Sihl, Limmat und Reppisch sind neue Reviere entstanden. In der nördlichen Kantonshälfte hingegen sind viele geeignete Lebensräume bereits besetzt. Dort zeigen die Zahlen seit einigen Jahren eine zunehmende Sättigung.
Die Situation am Greifensee
Am Greifensee selbst wurden vier Biberreviere festgestellt, eines weniger als 2022. Aktuell handelt es sich um ein Familienrevier und drei Einzel- oder Paarreviere. Diese leichte Abnahme weist darauf hin, dass der Lebensraum direkt am See ausgeschöpft ist.
Gleichzeitig zeigt sich im Umfeld des Greifensees eine andere Entwicklung: In den Zuflüssen wie der Mönchaltorfer Aa oder dem Tüfenbach ist in den kommenden Jahren mit einer weiteren Verdichtung der Reviere und einer Ausbreitung in kleinere Nebengewässer zu rechnen. Dieses Muster ist typisch für eine fortschreitende Besiedlung, wenn die grossen Gewässer bereits besetzt sind.
Zwischen Etablierung und Management
Die Rückkehr des Bibers in der Schweiz ist eine naturschutzfachliche Erfolgsgeschichte. Mit seiner Bautätigkeit schafft der Nager vielfältige Lebensräume und trägt zur ökologischen Aufwertung von Gewässern bei. Gleichzeitig führen Dämme und Grabaktivitäten insbesondere an kleineren Gewässern immer wieder zu Nutzungskonflikten mit uns Menschen.
Auch im Einzugsgebiet des Greifensees zeigt sich deshalb die Bedeutung eines umsichtigen Bibermanagements. Langfristig wirksame Massnahmen wie ausreichend breite Gewässerräume, Revitalisierungen und eine gute Zusammenarbeit zwischen Gemeinden, Kanton und Fachstellen helfen, Konflikte zu entschärfen beziehungsweise gar nicht erst entstehen zu lassen und ein dauerhaftes Zusammenleben von Biber und Kulturlandschaft zu gestalten.
Anhand des Monitorings wird deutlich, dass sich der Greifensee als Gebiet etabliert, in dem sich die Entwicklung des Bibers gut beobachten lässt – als Teil einer dynamischen Gewässerlandschaft, die sich stetig weiterentwickelt.
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